Korporationsgeschichte

Hier findet ihr weitreichende Informationen zu der Geschichte unserer Verbindung in Osnabrück, wie auch zu unserem Verband und der allgemeinen Korporationsgeschichte.

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I. Geschichte des VDSt zu Osnabrück

II. Geschichte des Verbands der Vereine Deutscher Studenten

III. Geschichte der Korporationen

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I. Geschichte des VDSt zu Osnabrück  (gegründet am 9. Dezember 1993)

an der Universität zu Osnabrück
(gegründet am 5. Dezember 1973)

Der VDSt zu Osnabrück ist eine junge Verbindung in der niedersächsischen Universitätsstadt Osnabrück, die am 09. Dezember 1993 gegründet wurde. Entstanden ist der Gedanke einen VDSt in Osnabrück zu gründen, aus persönlichen Motiven der damaligen sechs Gründungsmitglieder.
Neben den beiden schlagenden und den beiden konfessionell gebundenen Korporationen, wollte man in Osnabrück eine nicht-schlagende, konfessionell ungebundene und politische Verbindung schaffen, die bundesweites Profil besitzt und durch ihre wechselhafte Geschichte geprägt ist.

Ein weiterer Grund war auch das Lebensbundprinzip des VDSt, das in der Verbindung ebenfalls praktiziert werden sollte, um auch nach dem Studium in Kontakt zu bleiben. Nachdem in Erfahrung gebracht wurde, dass ein Alter Herr aus Göttingen in Osnabrück wohnt und er von dieser Idee unterrichtet wurde, stand er von Anfang an mit voller Unterstützung beiseite. Im Hollinger hat man sich ein paar Mal getroffen, um sich besser kennenzulernen und die Vorbereitungen für die Gründung eines VDSt zu Osnabrück zu treffen. Am 9. Dezember 1993 wurde letztendlich der VDSt in Osnabrück gegründet, woraufhin am 6. Mai 1994 der Gründungskommers im Holling stattfand. Der VDSt zu Osnabrück wurde auf der 113. Verbandstagung in Heidelberg in den Dachverband VVDSt - KV aufgenommen.
Der Bund schaffte es sich im Verband zu etablieren, und auch in Osnabrück einen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen.
So gelang es, nach fünf Jahren die Studentenbude eines Bundesbruders als räumlichen Mittelpunkt des Bundes zu verlassen und in die erste angemietete Etage mit vier Zimmern umzusiedeln. Die tatkräftige Unterstützung der AH-Schaft ermöglichte es, wenig später eine weitere Etage, sowie einen Kneip- und Veranstaltungskeller zu beziehen.
Dadurch und durch die nicht verklingende Motivation der Aktivitas konnte sich der VDSt zu Osnabrück rasch vergrößern.
Dies spiegelte sich auch anlässlich der Feier des 10. Stiftungsfestes wider, zu dem zahlreiche Bundes- und Farbenbrüder aus allen Teilen der Republik, und darüber hinaus angereist waren, um in der Hausbrauerei Rampendahl in Osnabrück zu feiern.

Von dem guten Gelingen des Stiftungsfestes gestärkt, richtete der VDSt zu Osnabrück im darauf folgenden Wintersemester 2003/ 04 mit der Chargentagung seine erste verbandsoffene Tagung aus.
Als nächste große Herausforderung hatte sich der VDSt zu Osnabrück das Ziel gesetzt, ein eigenes Verbindungshaus zu  beziehen, was im September 2004 geschah.

Dank des großen Vertrauens seitens der AH-Schaft in die Aktivitas und des finanziellen Engagements konnte ein Haus mit zwölf Zimmern in bester Lage zur Universität und zur Innenstadt erstanden werden.

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Geschichte des Verbands der Vereine Deutscher Studenten - VVDSt

Gründung | Weimarer Republik | im Dritten Reich | die Zeit nach 1948

Die Gründung
Die jungen Studenten, die sich zu Beginn des Jahres 1881 in Berlin, Halle, Leipzig und Breslau und dann im Sommer in Greifswald und Kiel zu den ersten Vereinen Deutscher Studenten zusammenschlossen, wollten die politische Lethargie, die unter der Studentenschaft herrschte, überwinden und der äußeren Einigung Deutschlands durch Bismarcks Realpolitik die innere Einigung folgen lassen.

Man sollte für die Geisteshaltung der damaligen VDSter die Begriffe Antimaterialismus und Antinihilismus verwenden, die sich gegen die materialistische oder nihilistische Weltanschauung wandte, die damals bei vielen Menschen, in Zeitungen, Zeitschriften und literarischen oder politischen Zirkeln, Vereinigungen und Parteien herrschte. Sie wollten die Menschen bei ihrer Seele, ihrer Vernunft packen und so bestimmte Sittengesetze verwirklichen. Die Ziele der Vereine zeigten sich besonders deutlich auf dem ersten Kyffhäuserfest, zu dem sich unter der Führung der Leipziger und ihres Vorsitzenden Diederich Hahn am 6. August 1881 etwa 800 Studenten zusammenfanden. Die Reden des Tages ließen erkennen, worum es dieser studentischen Jugend ging: es lag ihr an der Begründung eines neuen, die Parteien und die gesellschaftlichen Gegensätze überwindenden Nationalgefühls. Im gemeinsamen Gespräch haben Hahn und sein Freund Friedrich Naumann die Frage erörtert, wie man zu einem deutschen, christlichen und sozialen Weltbild kommen könne.

Die ersten Vereine wollten keine neue Korporation neben den bereits bestehenden bilden, nicht einen Verein in der Studentenschaft, sondern die deutsche Studentenschaft selbst. So erklärt sich auch der Name "Verein Deutscher Studenten"; Korporierte und Nichtkorporierte fanden sich in den Vereinen zusammen. Deshalb wählte man auch unter Ablehnung von Band und Mütze die Farben des Reiches "Schwarz-Weiß-Rot" als alleinige Farben jedes einzelnen VDSt und des neuen Verbandes, der sich im Anschluß an das Kyffhäuserfest am 8.August 1881 in Form eines Kartells zwischen den bereits bestehenden VDSt Bünden und Charlottenburg bildete. Christentum, Vaterland und Monarchie sollten Leitideen der politischen Arbeit in den Vereinen sein; der zunächst alleinherrschende soziale Gedanke wurde als praktisches Christentum verstanden.

So sahen die VDSter dieser Tage ihre Gedanken zum sozialen Ausgleich innerhalb der Bevölkerung des deutschen Reiches durch die von Bismarck eingeleitete soziale Gesetzgebung realpolitisch verwirklicht und fühlten sich von nun an auf das engste mit Bismarck verbunden. Diese Verbundenheit wurde schließlich auch durch die Einweihung des Botschaftsgedenksteins zur Erinnerung an die "Soziale Botschaft" Kaiser Wilhelms II. auf dem Kyffhäuser auf der 16. Verbandstagung 1896 in Kelbra ausgedrückt.

Nachdem die Kyffhäuser Zeitung, die 1881 gegründet worden war, nach wenigen Jahren eingestellt worden ist, gründete man im Jahr 1886 auf Anregung des damaligen Vorortsvorsitzenden Rudolf Heinze, der später in der Weimarer Republik Vizekanzler und Reichsjustizminister werden sollte, mit den Akademischen Blättern ein eigenes Verbandsorgan.

Entscheidend für die Entwicklung des Verbandes wurde die Frage nach dem Verhältnis von Volk und Staat. Die VDSter erkannten, daß der Staat nicht der Inbegriff des Volkes oder der Nation ist, sondern daß über dem Staat das Volk als Kultur-, Sprach- und Abstammungsgemeinschaft, als Individualität steht. Das deutsche Volkstum sollte durch systematische Arbeit in Theorie und Praxis überall dort gestärkt und gefördert werden, wo es bedroht war.

Neben den Anfängen und dem Ausbau der Volkstumarbeit spielte um die Jahrhundertwende ein anderes Problem in der Verbandsgeschichte eine Rolle, die Auseinandersetzung mit der Parteipolitik. Akut wurde diese Frage als Friedrich Naumann mit seinem Nationalsozialen Verein im Jahr 1896 eine politische Gründung vollzog und unter den VDStern eine nicht geringe Anhängerschaft fand, so daß in der Öffentlichkeit zeitweilig der Eindruck entstehen konnte, als ob der Nationalsoziale Verein die Fortsetzung des Verbandes im praktischen Leben sei. Daß diese Auffassung nicht zutraf, hat man auf den Verbandstagungen der Jahre 1897 und 1998 ausdrücklich festgestellt, um so die parteipolitische Neutralität des Verbandes zu wahren.

Innerhalb des VDSt entstand soviel Streit zu der Frage der politischen Aktivität Friedrich Naumanns, so daß dieser sich entschloß aus dem VDSt auszutreten. Eine außerordentliche Verbandstagung im Januar 1907 in Leipzig, auf der sich der Gedanke der parteipolitischen Neutralität erneut durchsetzte und liberale wie konservative Ideen im Verband für gleichberechtigt anerkannt wurden, beendete diese schwere Belastungsprobe des Kyffhäuser-Verbandes.
Bei den Universitätsjubiläen in Heidelberg (500 Jahre), Göttingen (150 J.), Halle (200 Jahre), Königsberg/Preußen (350 Jahre), Leipzig (500 Jahre) und Berlin (100 Jahre) führte der VDSt stets die Studentenschaft an.

VDSter im Ersten Weltkrieg
Während des Ersten Weltkrieges fanden viele VDSter, die wie auch sonstige Großteile der deutschen akademischen Jugend im Frontdienst ihre Pflichterfüllung für ein besseres Deutschland sahen, den Tod.

Dem Gedenken an die Gefallenen und Vermißten war die Ehrenhalle mit der Jünglingsgestalt in der 1906 errichteten Bismarcksäule des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten auf der Rothenburg am Kyffhäuser geweiht. Die Namen der dem Ersten Weltkrieg zum Opfer gefallenen VDSter wurden in einem Ehrenbuch verewigt.

Die Zeit der Weimarer Republik
Der Zusammenbruch des Jahres 1918 und das Ende der Monarchie im Deutschen Reich stellten den VDSt vor eine entscheidungsvolle Frage. Für viele wurde es eine Gewissensfrage, wie man sich als Anhänger der Monarchie zur neuen Staatsform stellen sollte.

Viele Alte Herren dienten dem jungen Staat als Beamte und bekleideten höchste Staatsämter, so z.B. Walter Szagunn, Otto Hoetzsch, Wilhelm Heile, Ferdinand Friedensburg und Rudolf Nadolny. Die Arbeiten und Ideen vieler VDSter hätten zu einem wichtigen Instrument gegen die Arbeitslosigkeit in der Weltwirtschaftskrise werden können, wären sie nicht durch die Regierungsübernahme des Herrn v. Papen beendet worden.
Unter dem Einfluß von Professoren wie Carl Schmitt forderte die damalig Generation von Aktiven die totale Demokratie und eine unmittelbar vom Vertrauen getragene politische Führung. In der Folge der maßlosen Kriegspropaganda aller am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten und des Versailler Friedensdiktates waren die VDSter der 20er und 30er Jahre wohl sehr national, aber nie extrem. Am 15.12.1927 betrug die Zahl der studentischen Mitglieder 1870 in 42 Bünden.

Die VDSter im Dritten Reich
Der totalitäre Machtanspruch der NSDAP duldete auch im studentischen Leben keine Gemeinschaften neben sich. Den HJ-Gliederungen wurde untersagt, mit dem VDSt zusammenzuarbeiten, auch ihre Mitglieder durften nicht in den VDSt eintreten. Dies führte dazu, daß auf der 57. Verbandstagung 1938 die Auflösung des Verbandes bekanntgegeben wurde. Nicht wenige VDSter haben durch ihre aktive, kritische Haltung gegenüber dem NS-Regime Repressalien erleiden müssen, wie z.B. der spätere Bischof Dibelius und Hans Egidi.

Die Zeit nach 1948
In den Jahren 1948 - 1950 entstanden an westdeutschen Hochschulen einzelne aktive Vereine Deutscher Studenten, zunächst gelegentlich noch unter anderem Namen. Auf der ersten Verbandstagung nach dem Zweiten Weltkrieg im Februar in Bonn wurde der Verband der Vereine Deutscher Studenten gegründet.

Die VDSter behielten die überkommene, aber geläuterte Liebe zum deutschen Volk bei und gründeten diese Überzeugung auf das Recht von Menschen und Völkern auf Selbstbestimmung in Freiheit.

Auch in der jungen Bundesrepublik übernahmen wiederum VDSter höchste politische Verantwortung, wie z.B. Hermann Ehlers als Bundestagspräsident, andere arbeiteten am Wiederaufbau Deutschlands mit, so z.B. Karl Maßmann.

In der politischen Wiedervereinigung Deutschlands hat sich das überragende Ziel der VDSter verwirklicht. Heute wie schon damals zur Zeit der Gründung der ersten VDSt-Bünde ist es nun oberstes Ziel der VDSter der politischen Einigung auch die innere folgen zu lassen. In diesem Sinne setzen sich die VDSter für ein vereintes Europa unter Gleichberechtigung aller europäischen Staaten, Völker und Volksgruppen ein. Heute ist der VDSt an über 40 Universitäten in der Bundesrepublik, Österreich und Ungarn vertreten, die im Verband der Vereine Deutscher Studenten zusammengeschlossen sind.

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Geschichte der Korporationen

Mittelalter | Reformation | Aufklärung | Revolution | Weimarer Republik | NS-Zeit | Nachkriegszeit

Die Geschichte der Korporationen ist untrennbar mit der Studenten- und Universitätsgeschichte verbunden. Korporationsähnliche Zusammenschlüsse sind so alt, wie die Universitäten selbst. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein beherrschte das korporative Leben die Universitäten und die Universitätsstädte.
Wenn auch im Zeitalter der Massenuniversität der Anteil der korporierten Studenten relativ gering ist, so sind studentische Verbindungen bis heute ein fester Bestandteil vieler Universitäten.
Auf den folgenden Seiten soll die geschichtliche Entwicklung von den mittelalterlichen nationes und Bursen bis zur heutigen Studentenverbindung dargestellt werden.

Mittelalter
Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden die ersten Universitäten in Bologna und Paris. Die Unterrichtssprache war überall das Lateinische. Regelungen gab es anfangs nur sehr wenige und die Studenten lebten häufig als unstete Vaganten.

Gleichzeitig war das Studentenleben ein abenteuerliches und nicht selten gefährliches Unternehmen, welches jahrelange Abwesenheit von der Heimat mit sich brachte und auch sonst einige Risiken beinhaltete. Die Studenten schlossen sich daher am Studienort zu Schutzbünden auf landsmannschaftlicher Basis zusammen. Diese nationes waren einerseits Ausdruck gleicher Standeszugehörigkeit und andererseits universitätsamtliche Einrichtungen mit großem Einfluß, bis hin zur Wahl des Rektors.

In Bologna unterschied man die Studenten zunächst in Ultramontane und Cismontane, d.h. einerseits Italiener und andererseits Ausländer aus den Ländern nördlich der Alpen. Innerhalb dieser Gruppen bildeten sich die Nationen, unter denen die natio teutonica die größte und wohl einflußreichste war. Bereits um 1260 waren an der Universität von Bologna über 10.000 Studenten aus der gesamten "christlichen Welt" und darüber hinaus sogar einige Araber eingeschrieben, die sich auf insgesamt 23 Nationen verteilten. Die nationes können durchaus als Urform studentischer Korporationen angesehen werden, wenn sie sich auch in vielerlei Hinsicht von heutigen Studentenverbindungen unterscheiden, so entwickelten sich bereits dort Traditionen in Form von Zechgelagen, die bis heute von vielen Korporationen zelebriert werden.

Mit der Zeit verloren die Nationen durch die Schaffung von Fakultäten jedoch an Einfluß und Bedeutung und lösten sich größtenteils auf, so daß die Studenten den Schutz und die Hilfe einer solchen genossenschaftlichen Gemeinschaft nicht mehr in Anspruch nehmen konnten. So entstanden nach französischem Vorbild - die Sorbonne war ursprünglich ein Wohnheim - die sogenannten Bursen, der Universität zugeordnete soziale Einrichtungen, in die alle Studenten einziehen mußten und in denen elementares universitäres Grundwissen durch eine Studienpatenschaft zwischen älteren und jüngeren Studenten vermittelt wurde. Da der eigentliche Hochschulbetrieb zu dieser Zeit noch recht ungeregelt ablief und Vorlesungen in öffentlichen Gebäuden, Kirchen oder in Wohnungen der Professoren stattfanden, war der Mittelpunkt des studentischen Lebens das Bursenhaus. So lösten die Bursen die Nationen, die teilweise pro forma weiterbestanden, als Form des studentischen Zusammenlebens ab. Aus dem lateinischen Wort bursa leiten sich übrigens Begriffe wie  „Börse“ und vor allem der Begriff  „Bursche“ ab.

Reformation

Während Bursen in Form der Kollegien (colleges) in England noch heute bestehen lösten sie sich in Deutschland durch ihre starre Haltung mit dem Aufkommen des Humanismus und dem Ende des Mittelalters auf.
Als neue Form des Zusammenlebens von Studenten bildeten sich nun als freie Zusammenschlüsse die (alten) Landsmannschaften. Sie bildeten sich aus Landsleuten wie die Nationen, waren aber keine universitätsoffizielle Einrichtung mehr, sondern sich selbst verwaltende, kleine Vereinigungen zum Schutz und zur Hilfe, wie auch zur Interessenvertretung gegenüber der Professorenschaft. Außer dieser Ziele verfolgten die Landsmannschaften nun auch die Erziehung ihrer Mitglieder in ihrem Sinne, so zur Ehrbarkeit und Bescheidenheit.

Diese (alten) Landsmannschaften stellen den Übergang von der mittelalterlichen Genossenschaft zur modernen Verbindung. Ihre Mitglieder halfen sich gegenseitig und traten regelmäßig zu einem Convent (Legislative, Judikative) zusammen, um ihre Angelegenheiten zu besprechen. Ein gewählter Senior (Älterer) war ihr ausführendes Organ (Exekutive). Die Mitglieder unterteilten sich bereits in Burschen und Füxe. Die Burschen, auch Agierer oder Schoristen, waren Vollmitglieder, Füxe bzw. Pennale nur vorläufige Mitglieder. Diese Zweiteilung lehnte sich an übliche Regelungen der zünftigen Systeme der Handwerker bzw. das Noviziat der geistlichen Orden an. Das Territorialprinzip wurde streng eingehalten, d.h. die (alten) Landsmannschaften rekrutierten sich ausschließlich aus bestimmten Ländern oder Landesteilen.

Vor und während des Dreißigjährigen Krieges begann das Tragen von Waffen, Trachten und (Landes-) Farben. Weitgehend durch den Sittenverfall des Krieges verursacht kam es zu einem wüsten Sichausleben (Renommismus) und Schikanieren der Füxe (Pennalismus) durch die älteren Studenten. Die Füxe mußten jede Schmutzarbeit verrichten und standen mit ihrem gesamten Eigentum zur Verfügung. Um 1650 wurde daher der erste Comment ( wohl von comment savoir vivre) erstellt, um die Auswüchse zu steuern und das studentische Leben zu regeln. Diese boten jedoch für die aufstrebenden Territorialstaaten einen guten Vorwand gegen die Landsmannschaften vorzugehen, die sich nicht in das neue etatistische Denken einfügten. Dieser äußere Druck nahm den Landsmannschaften ihren Einfluß und führte zu einem inneren Wandel. So bildeten sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts meist innerhalb einer Landsmannschaft engere Gemeinschaften, die Kränzchen, heraus, bei denen außer der landsmannschaftlichen Zugehörigkeit die persönliche Bindung eine wesentliche Bedeutung erhielt.

Aufklärung

Neben den Kränzchen entstanden, ebenfalls innerhalb der Landsmannschaften, nach freimaurerischem Vorbild die Orden, die den Charakter von Geheimbünden hatten und ein für Außenstehende unverständliches Brauchtum übten.

In den Orden entstand nun auch das bis heute in den Verbindungen übliche Lebensbundprinzip, so daß die Zugehörigkeit nicht mehr mit dem Studienabschluß endete. Nach freimaurerischem Vorbild sprach man sich mit "Bruder" an und es wurden Zirkel und Chargenkreuze als Geheimzeichen eingeführt. Landsmannschaften, Orden und Kränzchen lebten nebeneinander, überlagerten sich oder waren auch verfeindet.
Die Orden übten zunächst einen sehr guten Einfluß auf das Verbindungswesen insgesamt aus. Durch die Hinwendung zum Gedankengut der politischen Aufklärung und der französischen Revolution entstand jedoch ein unüberbrückbarer Gegensatz zu den Landsmannschaften.

Obwohl gemäß Reichstagsbeschluß von 1793 in den meisten deutschen Staaten die Verbindungen verboten wurden, gelang es nicht, sie auszurotten. Die Orden fielen jedoch den staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen vollständig zum Opfer, der letzte 1812 in Wittenberg. Sie prägten jedoch das studentische Verbindungswesen nachhaltig, so haben seit dieser Zeit alle studentischen Vereinigungen, die sich selbst als Verbindungen bezeichnen folgende Gemeinsamkeiten:

1. Brüderlichkeit und Treue,
2. Freiheit und Ehre,
3. Abwendung vom bloßen Zweck- und Nützlichkeitsdenken,
4. Bewährung in sittlicher, geistiger und körperlicher Hinsicht,
5. Erziehung zur Persönlichkeit und Gemeinschaft,
6. Bewahrung einer eigenen Lebensform und eines Brauchtums.
 
Mit dem Untergang der Orden entstanden aus den alten Landsmannschaften, in bewußter Ablehnung der politisierten Orden, die unpolitischen (reformierten) Landsmannschaften, die zunächst wohl gerade deswegen im Windschatten der politischen Repressionen blieben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen diese Landsmannschaften die Bezeichnung "Corps" an und betonten ihre alte, nunmehr als aristokratisch empfundene Linie, die gekennzeichnet war durch Ablehnung konfessioneller und politischer Bestrebungen, Hochhalten des Comments, Tragen von Farben, Mensur, Conventsprinzip und Lebensbundprinzip.

Aus dem unmittelbaren Eindruck der Befreiungskriege gegen Napoleon entstand eine neue Bewegung innerhalb der Studentenschaft die nach der politischen Einheit Deutschlands strebte und sich gegen das landsmannschaftliche Territorialprinzip wandte. An die Stelle der Landsmannschaften sollte nun nur noch die "Allgemeinheit" der deutschen Studenten treten. Das ringen um die neuen Formen bringt, nach einem Zwischenspiel 1814 unter dem Namen "Wehrschaft", ein Jahr später die "Burschenschaft" hervor. Unter dem feierlichen senken der Fahnen der fünf Landsmannschaften entsteht die "Urburschenschaft zu Jena". Die Bewegung findet in einer Reihe von deutschen Universitäten Nachahmung, so daß 1817 auf der Wartburg die "Allgemeine Deutsche Burschenschaft" als Gesamtheit aller deutsche Hochschulen und Studierenden ausgerufen wird. Der Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland!" und das Burschenschaftliche Manifest machen lange verschüttete Kräfte studentischen Gemeinschaftslebens und studentischer Erziehungsgemeinschaft wieder lebendig. An Stelle der vielfachen Landesfarben treten örtlich einheitliche Farbzusammenstellungen an Bändern und Mützen, von denen sich 1817 das Jenaer Schwarz-Rot-Gold allgemein durchsetzt, das vom Lützowschen Freikorps übernommen wurde, dessen Soldaten -meist Studenten- schwarze Röcke mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen trugen; noch heute wird diese Uniform an Stelle eines Chargenwichses von der Alten Breslauer Burschenschaft der Raceks zu Bonn getragen! Doch bereits auf dem Wartburgfest 1817 und in Jena kommt es zu unliebsamen Zwischenfällen, die 1819 in der Ermordung v. Kotzebues durch den Burschenschafter Karl Sand gipfeln. Noch im gleichen Jahr verkündet Metternich in den "Karlsbader Beschlüssen" die Staatsgefährlichkeit der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft und erläßt entsprechende Verbote und Befehle zur Verfolgung derartiger Zusammenschlüsse. Der staatliche Druck und dazu die schon früher einsetzenden inneren Zwistigkeiten lassen die Ideen der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft an Deutschlands Hohen Schulen nicht zum Tragen kommen. Zwar fällt endgültig das landsmannschaftliche Prinzip, aber die Studentenschaft hat seitdem für Jahre ihre Geschlossenheit und innere Ausgeglichenheit verloren; es kommt zu einem Erstarken der unpolitischen Corps. Das Ideal der Urburschenschaft, die Verschmelzung der Studentenschaft jeder Hochschule zu einer Verbindung und die Vereinigung aller örtlichen Studentenschaften (Burschenschaften) zu einem Burschenbund, hatte sich als nicht lebensfähig erwiesen. Die Burschenschaften wurden somit eine weitere Form der studentischen Verbindungen, wobei in vielen Universitätsstädten mehrere Burschenschaften nebeneinander entstanden, so entstanden aus der Urburschenschaft zu Jena die heute noch bestehenden und wieder in Jena beheimateten Burschenschaften Arminia auf dem Burgkeller, Germania und Teutonia.

Durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819 waren aber nicht nur die Burschenschaften, sondern auch alle anderen Korporationen betroffen, inklusive der Corps. Aber auch diese Demagogenverfolgung konnte die Verbindungen nicht ausrotten, bis die Märzrevolution von 1848 im Gebiet des Deutschen Bundes mit Ausnahme der habsburgischen Länder die Koalitionsfreiheit brachte.

Revolution

Abgesehen von einer nur kurzen Phase während des Revolutionsjahres 1848, begann nach der Revolution innerhalb der Studentenschaft ein beschleunigter Prozeß der Aufsplitterung.

Es treten weitere bestimmende Merkmale studentischer Verbindungen hinzu: Vaterland, Religion, Musik, Sport, Kunst, Wissenschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlossen sich die schon länger bestehenden und die erst neu entstandenen Korporationen je nach ihrer vorherrschenden Ausrichtung zu Korporationsverbänden zusammen.
Die kurz vor der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden (neuen) Landsmannschaften lehnten die aristokratische Linie der Corps zugunsten einer Reformlinie ab, die den Gedanken der Gleichberechtigung aller honorigen Studenten betonte. Die Burschenschaften und die 1881 als politische Studentenbewegung gegründeten Vereine Deutscher Studenten verpflichteten sich zur national - politischen Betätigung, also zur nationalen und liberalen Linie, wobei der Kyffhäuserverband der Vereine Deutscher Studenten, der wie die Burschenschaft an der Einigung aller Studenten scheiterte und zum Korporationsverband wurde, auch stark am christlichen Glauben orientiert war, zum Teil also auch zur interkonfessionell - christlichen Linie wie der Wingolf und der Schwarzburgbund gehörte. Die konfessionell - christliche Linie bildeten vor allem die großen katholischen Verbände, die durchweg Duell und Mensur verwarfen. Die Turnerschaften und die Sportgilden wiederum vertraten die Linie der körperlichen Ertüchtigung, während Sängerschaften und Gesangsvereine die musische Richtung in den Vordergrund stellten. Erwähnenswert wäre dann noch die wissenschaftlich Linie der Fachgilden, die besonders das Studium betonten und oft fachgebunden waren. Ferner entstanden um die Jahrhundertwende als Gegenbewegung zu den nationalen und teilweise antizionistischen Korporationen eigene jüdische Korporationen und seitdem Frauen studieren durften entstanden auch die ersten Damenkorporationen. Parallel dazu entstanden an Ingenieurschulen Korporationen und teilweise sogar Schülerverbindungen (Pennalien) an Gymnasien.

Eines blieb den Korporationen trotz ideologischer Eigenentwicklungen und gewisser Auseinanderentwicklungen ethischer Grundsätze als wesentliche Grundlage gemeinsam: der Idealismus und das ganze Sittengesetz des "Brüderhauses" im weitesten Sinne des Wortes.

Die große Vielfalt innerhalb des Korporationswesens führte zu immer stärkeren Betonung des Formalen, zu Divergenzen, Egoismen und Rivalitäten, die manchmal in offene Feindschaft und tätliche Auseinandersetzungen umschlugen. Auch wenn das Korporationsleben während des Krieges von 1914 bis 1918 fast gänzlich zum erliegen kam einigte es die Korporierten im nationalen Geiste des gemeinsamen Fronterlebnisses. Bis heute unauslöschlich im Geiste der Korporierten verankert ist das so glorifizierte "Langemarck", der Name des Ortes im belgischen Flandern bei dem am 11. November 1914 tausende junger Korporierter bei einem aus militärischer Sicht sinnlosem Sturmangriff im Feuer der Entente - Truppen den Tod fanden. Das Massenopfer von Langemarck wurde propagandistisch aufgewertet um weitere Studenten zu Durchhalten zu ermuntern. Außerdem brachte der Erste Weltkrieg auch seinen korporierten Dichter hervor, der wie hundert Jahre zuvor Theodor Körner seine Überzeugung mit dem Leben bezahlte. Der Frontoffizier und Burschenschafter Walter Flex wurde vor allem durch seine zum geflügelten Wort gewordene Kriegserzählung "Der Wanderer zwischen beiden Welten" und durch sein noch heute bei Korporierten und Soldaten gesungenes mytisches Kriegslied "Wildgänse rauschen durch die Nacht" bekannt. Er fiel am 16. Oktober 1917 auf der Ostseeinsel Ösel.

Weimarer Republik
Die schon vor dem Kriege erkennbare Einigungstendenz wurde durch das Kriegserlebnis und die nachfolgenden Kämpfe im Osten und die Kämpfe gegen den Spartakus nach 1918 noch verstärkt.


Es begann nun ein umfassender Einigungsprozeß innerhalb der unterschiedlich organisierten Studentenschaft, der 1919 zur Gründung der Deutschen Studentenschaft (DSt) führte, wenn auch die alten korporativen Zusammenschlüsse nicht darin aufgingen.
Die Tätigkeit des DSt war besonders auf dem sozialen Gebiet erfolgreich, so wurde 1921 das Deutsche Studentenwerk als Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft gegründet und 1925 die Studienstiftung des deutschen Volkes. Alle diese Einheitsorganisationen der Studenten wurden meist von Staat und Universitäten freiwillig als Rechtskörper anerkannt, so daß sich nach sehr langer Zeit wieder ein Ansatz für eine studentische Mitverantwortung ergab.

Entgegen der Erwartung vieler erfolgte nach dem Ersten Weltkrieg ein erneuter Aufschwung des Verbindungswesens. Es entstanden nun Wehrschaften, Fliegerschaften, Sportschaften, kulturell - politische Hochschulringe Deutscher Art (HDA), aber auch als erneute Gegenbewegung die sogenannten neustudentischen Vereinigungen (Bund Neudeutschland, Quickborn), sowie Hochschulgruppen der politischen Parteien und Wehrverbände. Die schlagenden Verbände fanden sich in Fortsetzung des Marburger Abkommens im Allgemeinen Deutschen Waffenring (ADW) zusammen und fast alle Verbände schlossen 1921 das Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen (EVA); die jüdischen fehlten.

Für Österreich ging die Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg ähnliche, aber innerhalb übergreifender Verbände eigenständige Wege, um sich nach Auflösung der Donaumonarchie sehr stark an die deutschen Strukturen anzulehnen. Bei aller äußeren Angleichung war jedoch nicht zu verkennen, daß die deutschösterreichischen Studentenvereinigungen mehr politisiert waren als die reichsdeutschen. Besonders die völkische Richtung war sehr stark.Die schweizerischen Verbindungen, die sich infolge einer schnellen Übernahme des corpsstudentischen Brauchtums im frühen 19. Jahrhundert gebildet hatten, waren von Anfang an stark nach politischen Kategorien ausgerichtet und entwickelten sich noch vor den deutschen zu Verbänden bzw. Zentralverbindungen mit örtlichen Sektionen. Trotz vieler Parallelen zu den Verhältnissen in Deutschland und Österreich war diese Eigenständigkeit nie zu verkennen.

Die Entwicklung der Verbindungen im Baltikum und in Osteuropa war ebenfalls von der deutschen initiiert, entwickelte aber auch eigene Ausprägungen besonders dort, wo die deutsche Volkstumsgrenze überschritten wurde.

In der Zeit der Weimarer Republik beginnt außerdem eine innere Umgestaltung der Korporationen. So wird in vielen Verbindungen staatsbürgerliche Erziehung und sportliche Ertüchtigung bis hin zum Wehrsport zum Allgemeingut, den Studien wird Vorrang vor den Veranstaltungen der Korporation gewährt, Verstöße gegen die guten Sitten werden bis hin zum Ausschluß unter Strafe gestellt und die äußerliche Renommiersucht verschwindet. Auch im studentischen Brauchtum gab es zu dieser Zeit einige Einschnitte, so blieb von der früheren Studententracht bei einigen Korporationen zum Teil nur noch die Kneipjacke über. Polnischer Schnürenrock, Porzellanpfeifen, Degen, Kanonenstiefel, Sporen, Hund - früher Abzeichen des "freien Burschen" - verschwinden. Nur der Wichs, die Festtracht der Chargierten, ist verhältnismäßig unverändert geblieben. Geblieben sind auch Band und Mütze der farbentragenden Verbindungen, sowie Wappen, Zirkel, Zipfel und Rocknadel. Die Kneipe und der Kommers haben bestimmte Formen des Ablaufs angenommen, der "Bierhofstaat" ist gänzlich verschwunden und "Salamander" und "Landesvater" bleiben besonders feierlichen Gelegenheiten vorbehalten. Die innere Gliederung in Füxe, Burschen und Alte Herren bleibt fast überall erhalten, wobei die Alten Herren bzw. Philister in AH-Bünden der aktiven Verbindung angeschlossen sind und unabhängig davon örtliche Vereinigungen geselliger Art bilden.

NS-Zeit

Die NS-Zeit ist durch das Bestreben des seit 1933 nationalsozialistisch beherrschten Staates gekennzeichnet, wie überall, so auch in der Hochschule und im studentischen Bereich den braunen Ungeist zu etablieren.
So wurden die Deutsche Studentenschaft und das Deutsche Studentenwerk umgehend gleichgeschaltet und das Führerprinzip eingeführt.
Um einer Auflösung zu entgehen nahmen die meisten Korporationsverbände das Führerprinzip "freiwillig" an. Die Verbindungen wurden außerdem "arisiert", die jüdischen und paritätischen Verbände verboten, das konfessionelle Prinzip beseitigt und sämtliche Verbände schließlich dem Reichsführer der DSt unterstellt. Die 1935 gebildete Gemeinschaft Studentischer Verbände (GStV) schien den Vertretern derjenigen Auffassung recht zu geben, die eine Koexistenz der alten Strukturen mit dem Nationalsozialismus für möglich hielten. Sie war in Wirklichkeit aber nur der Endpunkt korporationsstudentischer Handlungsfähigkeit. Durch verschiedenen Maßnahmen , darunter besonders das Abschneiden des personellen Nachschubs, war die Schlinge schließlich so weit zugezogen, daß die aktiven Verbände sich aus Sympathie oder Gegnerschaft zum Dritten Reich 1935/36 selbst auflösten. Ab 1936 beherrschte der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) das Bild. Doch unter dem Deckmantel der NS-Kameradschaften lebte vielerorts korporatives Brauchtum weiter, nachdem 1938 auch die letzten Verbände verschwunden waren. Mancherorts fanden sogar noch während des Krieges Mensuren statt.

Nachkriegszeit

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems und dem Ende des Zweiten Weltkrieges schlossen sich die Verbände zunächst auf der Ebene der Besatzungszonen zusammen. 1949 wurde der Verband Deutscher Studentenschaften gegründet,

ohne daß die Studentenschaften der sowjetischen Besatzungszone daran teilnahmen. Im gleichen Jahr erfolgte der offene Bruch. In der sowjetischen Zone wurden Studentenschaft und Hochschulen zunehmend nach marxistisch - leninistischen Grundsätzen unter alleiniger Führung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) gelenkt.
Die österreichischen Studentenschaften konnten oft 1945 wieder ihre Arbeit aufnehmen, da der Status Österreichs dem Deutschlands trotz alliierter Besatzung nicht entsprach. Die organisatorische Einheit mit den deutschen Verbänden löste sich zwangsläufig.

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges trat trotz zeitweise heftiger Gegenmaßnahmen der Besatzungsmächte, staatlicher Stellen, politischer Hochschulgruppen und Hochschulleitungen eine abermalige Erholung des Verbindungswesens ein, obwohl die Verbindungen, zumal oft national eingestellt, pauschal der geistigen Mittäterschaft am Unrecht des NS-Regimes bezichtigt wurden.

In Deutschland kam es mit der Gründung des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA) im Jahre 1950 und dem Convent Deutscher Korporarionsverbände (CDK) 1951 zur Bildung von Dachverbänden, jedoch ohne die katholischen Verbände. Die politischen Hochschulgruppen, die sich größtenteils scharf von den Korporationen distanzierten, stellten nunmehr im Gegensatz zur Weimarer Zeit einen starken Faktor in der hochschulpolitischen Landschaft dar, so daß sie, auch durch die politische Zurückhaltung vieler Korporationen bedingt, spätestens seit den Studentenunruhen 1968 nahezu vollkommen das Geschehen an den Hochschulen bestimmen.

Das Jahr 1968 stellte einen der nachhaltigsten Wendepunkte in der Geschichte des deutschen Studententums dar. Durch das enorme Anwachsen der Studentenzahlen wurde die Hochschule zu einer Art Dienstleistungsbetrieb in der Industriegesellschaft, der eine Ausbildung anbietet. So schwanden viele althergebrachte Traditionen aus dem Universitätsalltag oder wurden an den neugegründeten "Reform-Universitäten" erst gar nicht eingeführt. Ein großer Anteil der Studentenschaft ist seitdem auch nicht mehr organisiert.

Die stürmische Expansion des Einflusses der politischen Hochschulgruppen, die zahlenmäßig immer erstaunlich klein waren, stagnierte in den Siebziger Jahren und zeigte teilweise Wandlungs- und Auflösungserscheinungen. Das traditionelle Verbindungswesen, das an der zahlenmäßigen Ausbreitung der Studentenschaft keinen Anteil hatte, stabilisierte sich zunehmend. Obwohl sich die klassischen Studentenverbindungen während der Studentenunruhen als wenig beweglich und insgesamt als politisch handlungsunfähig gezeigt hatten, wurden sie möglicherweise für den Studenten an der Massenuniversität wieder attraktiv, da ihre Ausrichtungen nur wenig dem Zeitgeist unterworfen sind.

In der sowjetischen Besatzungszone, der nachmaligen "Deutschen Demokratischen Republik (DDR)", wurde ein wiederaufkommen korporativen Gedankenguts erfolgreich durch die überall präsente Staatsmacht und ihre hochschulpolitischen Handlanger von der FDJ unterdrückt, so daß sich die mitteldeutschen, ebenso wie die ostdeutschen Verbindungen nur im Westen rekonstituieren konnten bzw. mit anderen Verbindungen fusionierten. Der Kontakt zu Alten Herren hinter der Mauer wurde aber stets aufrecht erhalten bis die Mauer und die Grenze, die Deutschland fast vierzig Jahre teilten am 9. November 1989 fielen.

Doch bereits vor der friedlichen Wende von 1989/90 keimte der korporative Gedanke auch in der DDR wieder auf. Neben der FDJ gab es besonders im Bereich der Hochschulgemeinden einige Nischen, in denen sich bereits seit 1960 im Verborgenen eigenständige studentische Korporationen gebildet hatten. Aber auch in der FDJ selbst gab es Bestrebungen, durch die Aneignung des burschenschaftlichen Erbes korporative Traditionen wieder zu beleben. Die 170. Wiederkehr des Wartburgfestes 1987 wurde der Anlaß für eine Feier der FDJ mit korporationsstudentischen Formelementen, zu dem auch ein Liederbuch mit zahlreichen alten Studentenliedern erschien. Im Jahre 1989 existierten bereits ca. 20 verbindungsähnliche Organisationen auf dem Gebiet der DDR, die von staatlicher Seite widerwillig geduldet und überwacht wurden. Bereits 1986 fand ein Treffen von Vertretern der meisten dieser Verbindungen statt, aus dem sich dann die Rudelsburger Allianz bildete. Nach der Wende setzte dann ein reger Kontakt mit Verbindungen in der Bundesrepublik ein, der rasch zu einer Orientierung über und Beitritt zu verschiedenen Dachverbänden führte. Vielen Verbänden gelang es innerhalb kürzester Zeit etliche vertagte oder verlegte Verbindungen am ehemaligen Ursprungsort zu reaktivieren oder ganz neue Verbindungen zu gründen. Insgesamt erlebte das deutsche Korporationsstudententum in dieser Zeit einen enormen Aufschwung.

Quellen:

Golücke, Friedhelm / Grün, Bernhard / Vogel, Christoph (Hrsg.): Die Fuxenstunde - Allgemeiner Teil, 4. Aufl., Würzburg 1996.

Richwien, Gerhard: Student sein...-Eine kleine Kulturgeschichte, Würzburg 1998.

Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt): Praktisches Handbuch, 5. Aufl., o.O. 1992

 

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