Osnabrücker Stadtgeschichte
Hinweis: Der hier zusammengestellte Beitrag zu der Geschichte der Stadt Osnabrück ist eine Zusammenfassung mehrerer Quellen, stellt aber keine wissenschaftliche Ausarbeitung dar und erhebt somit keinen Anspruch auf Richtigkeit. Das Copyright für diesen Text obliegt Herrn RA Volker Schmidt.
Vor-& Frühzeit | 780-1306 | 1306-1488 | 1500-1648 | 1650-1802 | 1802-1848 | 1848-1914 | Osnabrück im 20. Jahrhundert
Vor- und Frühzeit
Osnabrück ist seit jeher der Knotenpunkt zweier wichtiger Handelsverbindungen: Einer West-Ost-Verbindung von der Rheinmündung über die Weser bis zur Elbe bei Magdeburg, sowie einem Handelsweg aus Frankreich kommend, den Niederrhein bei Köln überschreitend, zum Mündungsgebiet der Weser und Ems. Beide Verbindungen kreuzen sich noch heute als Bahn- und Autobahnrouten in Osnabrück. Der Ort ihres Übergangs über die Hase, die einstige Hasefurt, ist die Urzelle, aus der sich die alte Bischofs- und Hansestadt entwickelt hat. Dieser Knotenpunkt trug in den ersten Jahrhunderten n.Chr. den Namen Osnabrugge, was schon früh auf den späteren Namen Osnabrück schließen läßt. Da auch das Ufer der Furt noch von winterlichen Überschwemmungen der Hase gefährdet war, kam für den ersten Ansatz dauernder menschlicher Besiedlung in diesem Bereich zunächst das etwas höher gelegene Gelände weiter südlich im Bereich des heutigen Domhofs und des Marktplatzes in Frage.
Eindrucksvolle Zeugen einer früheren Besiedlung des Osnabrücker Raumes sind Großsteingräber aus der Zeit von ca. 3000 bis 2000 v.Chr. Nach dem Abzug der Hunnen aus West- und Mitteleuropa, als Folge der Schlacht auf den Katalanischen Feldern 451 an der Marne in Gallien, dürfen im Laufe der Folgezeit die Sachsen als mächtigster Stammesbund von Nordosten her in das weitgehend siedlungsarme Gebiet zwischen Weser und Ems vorgestoßen sein. Das Gebiet des Hasetales zwischen Wiehengebierge und Teutoburger Wald erfährt eine sächsische Besiedlung. Das gewonnene Gebiet gliedern die Sachsen in Gaue. Das ziemlich bevölkerte Siedlungsbecken im Hasetal erhielt den Namen Threcwithigau. Die Ausdehnung des Stammesverbandes der Sachsen weiter nach Süden und Westen bis schließlich an den Rhein führt zu Zusammenstößen mit den dort benachbarten Franken, deren Vergeltungszüge die sächsischen Gaue der Grenzgebiete zu einer jährlichen Tributleistung zwingen. Der Frankenkönig Karl nimmt 772 die unterlassene Zahlung des Tributs und weitere Überfälle der Sachsen zum Anlaß, mit Heeresmacht in den südlichen Bereich des sächsischen Stammesgebietes einzudringen. Aus der Zerstörung der Irminsul, einem alten sächsischen Heiligtum, im Jahre 772 entwickelten sich die sog. Sachsenkriege, ein dreißigjähriger Krieg von 772 bis 804, der in einem ständigen Wechsel von Aufständen und Unterwerfung stattfand. In der Folge des Krieges kam es zu Veränderungen der bisherigen Siedlungsverhältnisse und herrschaftlichen Ordnungsverhältnisse, die schließlich zur Gründung des Bistums Osnabrück zwischen 786 und 803 und damit auch zur späteren Stadtentstehung führten. Den Heeren Karls folgten als Träger der Christianisierung Mönche, die in den Klöstern des Frankenlandes ausgebildet wurden. Diesen Mönchen oblag in erster Linie die Taufe der unterworfenen Sachsen, die sich oft scharenweise dazu bereit erklärten. Durch die Errichtung von Missionszellen an strategisch wichtigen Punkten im Sachsenland, um das Jahr 779, beginnt König Karl ein dauerhaftes Herrschaftssystem aufzubauen. Anzunehmen ist, daß bereits in diesem Jahr der altsächsische Oberhof an der Hasefurt, Mittelpunkt des Threcwitigaues, in einen befestigten Königshof der Franken (curtis genannt) als Basis einer christlichen Missionszelle umgewandelt wurde. Zur Durchführung einer planmäßigen Missionsarbeit im eroberten Osnabrücker Raum wird die Taufkirche an der Hasefurt dem Bistum Lüttich zur Betreuung und Besetzung mit Geistlichen (Mönchen) unterstellt.
Bistumsgründung und Stadtwerdung (ca. 780 bis 1306)
Etwa 780 beginnt die praktische Missionsarbeit im Osnabrücker Raum, dem altsächsischen Threcwitigau. Im Jahr 783 erleidet das bereits bei Detmold (Theotmalli) von Karl geschlagene sächsische Aufgebot unter der Führung des westfälischen Edelings Widukind eine schwere Niederlage in einer dreitägigen offenen Feldschlacht an der Hase. Herzog Widukind, der sich durch Flucht in Sicherheit bringt, verzichtet hiernach auf weitere Auseinandersetzungen mit den Franken und läßt sich 785 taufen. Die bei den Kämpfen 783 wohl zerstörte Missionsstation wird 785 an der Hasefurt wiederhergestellt und eine neue Kirche am Platz des heutigen Doms erbaut. Etwa um 800 erhob Karl der Große die Missionsstation Osnabrugga zum Mittelpunkt eines Bistums. Der friesische Missionar Wiho wird zum ersten Bischof von Osnabrück berufen. Karl der Große errichtete eine Domschule für die Ausbildung von Geistlichen, aus der sich das heutige Gymnasium Carolinum entwickelt hat. 851 wird Osnabrück als „Monasterium Osnabrugga“ erstmalig urkundlich erwähnt.
Mit dieser aus der Domburg, dem Brüderstift, der Domschule und einem Wirtschaftshof bestehenden, sowie von einem Palisadenwall mit Gräben geschützten Bischofsburg, der alten Domburg, beginnt die eigentliche Geschichte dieses Bischofssitzes und damit auch die aus dem Sitz hervorgehenden Stadt Osnabrück. Die Domsiedlung erhält im Jahre 889 von König Arnulf von Kärnten das Markt-, Münz- und Zollprivileg. Dadurch wird dem Ort der Charakter eines Marktfleckens verliehen. Das bescheidene wirtschaftlichen Zentrum benötigt bald die ständige Anwesenheit einer Anzahl von Handwerkern auf dem Kirchgrund. Das Treiben der Handelsleute an der Hasefurt nahm durch das Zusammentreffen der alten Fernstraßen immer größeren Umfang an. Die ansässigen Handwerker begannen auf Vorrat zu arbeiten und der Markt von Osnabrück wurde auch für Fernhändler attraktiv. Außerhalb der Domburg und ihrer inzwischen eingetretenen Erweiterung jenseits des Poggenbaches durch einen besonderen Marktbesitz (dort steht heute das Rathaus) gründet Bischof Detmar 1011 am Rande der südlich angrenzenden Niederung der Wüste das Kollegiastift St. Johann und legt den Grundstein zur Johanniskirche. Der bisherige Kernbereich Osnabrücks mit der Domburg als Urzelle erweitert sich fortlaufend durch die weiter anwachsende Marktsiedlung. Die günstige Verkehrslage Osnabrücks lockt zunehmend neue Ansiedler an, die sich hier auf dem Kirchgrund niederlassen. Der Bischof als Grundherr gab von seinem Grundbesitz gegen eine geringe Jahresrente, zunächst als Sachleistung, später als Geld, Bauland an Niederlassungsinterssenten ab. Da es ablösbar war, wurde es eines Tages durch eine einmalige Zahlung aufgehoben. Damit wurde der zugezogene Neubürger rechtmäßiger Besitzer seines Grundstückes. Bischof Benno II., der große Baumeister des Mittelalters, errichtet um 1088 als dritten Dombau die frühromanische Kathedrale mit Zweiturmfassade im Westen (der NW-Turm und große Teile der Westfront mit den vorgewölbten Spindeltreppen sind u.a. heute noch erhalten). Ihm ist es auch zu verdanken, daß der Komplex am Markt von einer geschlossenen Befestigungsanlage umgeben wurde. Im Jahr 1147 wird Osnabrück in einer bischöflichen Urkunde erstmals als „Stadt“ (civitas) bezeichnet. Als es dem bedeutenden und weltoffenen Bischof Philipp von Katzenellenbogen (1141 bis 1173) im Jahr 1157 gelang, Kaiser Friedrich Barbarossa als einzigen Kaiser des Mittelalters in Osnabrück zu empfangen, wurde die Grundlage für die im Jahr 1171 in einem kaiserlichen Privileg urkundlich anerkannte Gerichtshoheit der Stadt gelegt. Mit dem hierdurch zugebilligtem eigenen Gerichtsbezirk, der schon vorhandenen Marktgerechtigkeit und der ebenfalls vom Kaiser gegebenen Erlaubnis zum Mauerbau gewinnt der Ort nunmehr voll den Charakter einer Stadt im Rechtssinne. Der Ort durfte damit ein eigenes Siegel (für 1217 erstmalig überliefert) mit dem heutigen Wappen (zunächst ein achtspeichiges Rad) verwenden. Das Löwenpudel-Denkmal vor dem Dom erinnert noch heute an das Osnabrücker Gogericht. Dieses Gericht, dem Heinrich der Löwe vorstand, führte den Namen „Gericht zu Löwen“. 1246 gründen die drei Bischofsstädte Münster, Osnabrück und Minden ein Bündnis zum Schutze ihres Handels. Dieser in Ladbergen bei Lengerich geschlossene Vertrag wird eine Grundlage für den späteren Westfälischen Städtebund, der im 14. Jahrhundert in der Hanse aufging. Osnabrück wird zu einem wichtigen Umschlagplatz für flandrische Erzeugnisse und für die Produkte Nord- und Osteuropas. Als Hauptort (Prinzipalstadt) ist Osnabrück ein führendes Mitglied der Hanse. Die Stadt gehört zum westfälischen Quartier der Hanse mit Köln als Vortort. Ab 1275 tritt ein jährlich neu gewählter Schöffenmeister (rector consulum) an die Spitze des Schöffenkollegs und damit auch des Rates der Stadt, in der seit 1244 bereits ein Rathaus am Markt bezeugt wird. Mit diesem frei gewählten Oberhaupt der Stadt (später Bürgermeister) beginnt die städtische Selbstverwaltung. König Rudolf von Habsburg bestätigt 1280 alle Stadtrechte.
Wirtschaftliche Entfaltung und weiteres Ringen um politische Emanzipation (1306 bis 1488)
Die entstandene Altstadt und die um das Stift St. Johann und die neue Mühle sowie dem Marienhof sich bildende Neustadt vereinigen 1306 ihre Wehrkräfte und umgeben sich mit einem gemeinsamen Befestigungsgürtel. Ihre Verwaltung bleibt jedoch bis ins Jahr 1808 getrennt. Geeinigt waren beide aber in Gilde und Wehr; Gildemeister und Wehrgeschworene bildeten die erste völlig einheitliche Behörde und wurden so die Beschützer der Einheit der Doppelstadt. Die Ratswahl wurde gemeinsam auf dem Rathaus der Altstadt vorgenommen. Nach diesem Zusammenschluß war Osnabrück bedeutend vergrößert; räumlich umfaßte es ca. 102 ha und hatte eine Einwohnerzahl von rund 5000 Bürgern. Die Hansestadt war mit der nach außen hin gestärkten Einheitlichkeit politisch, militärisch und auch wirtschaftlich ein weit gewichtigerer Faktor als bisher. Ab 1409 verwaltet sich die Stadt selbst, sie erwirbt nach 1225 die zweite Hälfte des Burgerichts vom Bischof gegen eine Pfandsumme, die jedoch niemals wiedereingelöst wird. 1415 bis 1422 erläßt Kaiser Sigismund Einladungen an die Stadt, als selbständige freie Stadt auf den Reichstagen zu erscheinen. 1441 wird Graf Johann von Hoya von den Bürgern Osnabrücks gefangen genommen und für sechs Jahre in einen großen Eichenkasten im Bucksturm eingesperrt (der „Johanneskasten“ wird noch heute in diesem Wehrturm gezeigt). Wegen des Streites der Stadt mit Johann von Hoya, weil die Hoffnungen des Hoyerschen Hauses den Bischof von Osnabrück ein zweites Mal zu stellen vereitelt wurden und die Hoyers deswegen Rache schworen, verhängte der Kaiser die Reichsacht über Osnabrück. Der Graf wurde daraufhin 1447 aus der strengen Haft entlassen. Wegen der noch immer bestehenden Reichsacht wagte die Stadt es jedoch nicht, 1450 den Hansetag in Köln zu beschicken, und wurde deswegen verhanset, d.h. die Osnabrücker Geschäftsleute konnte an Mitglieder der Hanse keine Waren mehr verkaufen und von ihnen keine Waren mehr kaufen. Das stellte eine schwere Strafe dar, denn die Hanse hatte fast den gesamten Handel in ihren Händen. Als die Stadt sich aber durch das Verhandlungsgeschick des späteren Bürgermeisters Ertwin Ertman genügend entschuldigen ließ, wurde sie schon 1452 „in des Kaufmanns Recht und Freiheit“ wieder aufgenommen. Die Verhansung war eine empfindlichere Strafe als die Reichsacht, die die Stadt immer noch gleichgültig bis 1470 ertrug. In diesem Jahr gelingt es Ertwin Ertman, die Stadt aus der Reichsacht zu befreien. 1485 begann der Bischof Konrad IV. von Rietberg eine Fehde gegen Herzog Wilhelm von Braunschweig, um seinen Bruder aus der Gefangenschaft zu befreien. Jedoch mißlang der Feldzug und kostete der Stadt, die den Bischof unterstützte, noch 500 Goldgulden. Der Zorn der Bürger richtete sich zunächst gegen Bürgermeister Ertman, dann aber auch gegen die Geistlichen. Man warf ihnen Üppigkeit und Unsittlichkeit vor. Diese Unzufriedenheit wurde von Gliedern der alten, angesehenen Osnabrücker Bürgerfamilien dazu benutzt, die Bürger gegen Bürgermeister Ertman zu hetzen, dem sie seine hohe Stellung mißgönnten. So kam es 1488 zur Bürgererhebung gegen Rat und Geistlichkeit, an deren Spitze der Schneidermeister Lenethun tritt. Er lebte seit Jahren im Bann und war daher gegen die Geistlichkeit verbittert. Das Volk wurde aufgehetzt und der Volkszorn entlädt sich in Aufruhr und Plünderungen. Während der Verhandlungen mit dem Bischof beruhigt sich das Volk und die (wohldenkenden) Bürger zogen sich mehr und mehr von den Rädelsführern zurück. Es wurde ein neuer Rat gewählt. Der neue Rat und die Vertreter von Gilde und Wehr gelobten einander, die Ruhe wiederherzustellen. Lenethun erkannte die Gefahr in der er schwebte und wollte daraufhin in die Kirche eilen, um Sturm zu läuten. Das gelang ihm aber nicht, da er sich an einem Bein verletzte. Dies erfuhr der Rat und er beschloß daraufhin, zuzugreifen. Am 25.05.1490 wird Johann Lenethun als Haupt der Anführer ergriffen und noch am gleichen Tag auf dem Markt enthauptet.
Vom Beginn der Reformation und der Glaubenskämpfe bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1500 bis 1648)
Eine Blütezeit des Osnabrücker Handels mit Leinen und Tuchen, den wichtigsten heimischen Erzeugnissen, findet von 1500 bis 1600 statt. Ganze Wagenladungen gehen nach Holland und von dort nach Übersee. Luthers Kampf gegen den Mißbrauch des Ablasses hatte offenbar in Osnabrück geringeren Eindruck gemacht. Nur der hiesige Augustinermönch Hecker (Lehrmeister Martin Luthers) predigt 1521 in seinem Kloster am Neumarkt erstmals in Westfalen die evangelische Lehre, kann sich aber in der Stadt und beim Rat nicht durchsetzen. Bald war Hecker aber nicht mehr der einzige evangelische Prediger Osnabrücks. Im Dominikanerkloster predigte Lukas von Horsten im evangelischen Sinne. Auch der Dompastor Missing und sein Kaplan Pollius neigten sich der neuen Lehre zu. 1534 versuchten nach Errichtung eines Wiedertäuferreiches in Münster Sendboten dieser Bewegung auch in Osnabrück für ihre reformatorischen Gedanken zu werben. Der Rat läßt sich jedoch gefangennehmen und überantwortet sie der bischöflichen Gerichtsbarkeit. sie werden daraufhin in Iburg hingerichtet. Anfänglich von ihnen entfachte wiedertäuferische Regungen in der Bevölkerung verlaufen im Sande. Die Wiedertäufer selbst werden nach langer Belagerung durch ein Heer Bischof Franz von Waldecks 1535 überwältigt. Als sich Bischof Franz von Waldeck aus machtpolitischen Erwägungen 1542 einem Feldzug des protestantischen Schmalkaldischen Bundes in Norddeutschland anschließt, kann er den Bürgern Osnabrücks nicht mehr verweigern, sich in der Stadt der lutherischen Lehre zu öffnen. Der aus Lübeck herbeigerufene Superintendent Hermann Bonnus hält in der Marienkirche 1543 die erste evangelische Predigt und gibt der Stadt eine einheitliche, in niederdeutscher Sprache verfaßte, lutherische Kirchenordnung. Osnabrück tritt 1544 dem Schmalkaldischen Bunde als ordentliches Mitglied bei. Nach den Niederlagen im Schmalkaldischen Krieg (1546 bis 1547) werden die Errungenschaften der Reformation auch in Osnabrück durch Kaiser Karl V. stark eingeschränkt. Durch die Flucht Kaiser Karl V. vor Kurfürst Moritz von Sachsen wird jedoch in den beiden Stadtkirchen Osnabrücks (St. Marien und St. Katherien) die Reformation wiederhergestellt. 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Die katholische Macht war in Westfalen der evangelischen überlegen. Als nun 1620 die Nachricht von dem für die evangelische Sache so ungünstigen Ausgang des böhmischen Krieges eintraf, der Niederlage des protestantischen „Winterkönigs“ Friedrich von der Pfalz in der Schlacht auf dem Weißen Berg bei Prag am 08.11.1620, sank den evangelischen Glaubensanhängern der Mut, während der Gegenpartei der Kamm schwoll. Als Weihnachten mehrere Evangelisten in den Dom gingen, fielen pöbelhafte Fanatiker über sie her und schlugen sie. Zu dieser Zeit war die ganze Stadt mit Werbern angefüllt. Um sich nicht von ihnen die Wehrfähigen aus der Stadt weglocken zu lassen, nahm der Rat sie 1620 in Eid und Pflicht und errichtete aus ihnen eine Bürgerwehr (Freifahne). Außerdem werden Söldner angeworben. Die Stadt rüstet zur Verteidigung ihrer Freiheit und Selbständigkeit. Ihre Neutralität wird vom Kaiser anerkannt. 1624 lehnt Kaiser Ferdinand II. die Erhebung Osnabrücks zur Freien Reichsstadt mit Rücksicht auf den katholischen Bischof und Landesherren ab. Bischof Eitel Friedrich führt den Gregorianischen Kalender in der Stadt ein. Aufgrund von Verhandlungen der Stadt mit den Dänen (in Fürstenau) und aus strategischen Gründen hebt Kaiser Ferdinand II. seinen Schutzbrief von 1618 und damit die Neutralität wieder auf. 1629 bestätigt Papst Urban VIII. die von Bischof Franz Wilhelm 1626 beantragte Gründung einer Osnabrücker Karls-Universität. Am 20.02.1630 folgt die Stiftungsurkunde Kaiser Ferdinands II. Die feierliche und prunkvolle Eröffnung erfolgt am 25.10.1632 im Gebäude des ehemaligen Augustiner Klosters am Neumarkt, das durch ein neuerrichtetes bischöfliches Gebäude erweitert wurde. Ein schwedisches Heer besetzt 1633 die Stadt. Die evangelischen Kirchen und der Rat werden wieder hergestellt. Die neugegründete Universität wird nach einjähriger Tätigkeit wieder geschlossen. Zum Anfang des Jahres 1642 erhielten die Bürger Osnabrücks die Nachricht, daß dem Krieg nun ein Ende gemacht werden sollte und Osnabrück neben Münster als neunter Ort für die Friedensverhandlungen ausersehen sei. Die Friedensverhandlungen sollten im Juli 1643 beginnen. Die Stadt wurde deswegen von den Schweden geräumt. Gesandte aus fast allen europäischen Ländern stellten sich ein, und beginnen im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses mit den Verhandlungen. Am 06.01.1648 wird der protestantische Teilfriede von Osnabrück zwischen dem Reich und Schweden, und am 05./ 06.09.1648 das katholische Vertragswerk von Münster zwischen dem Reich und Frankreich unterzeichnet. Am 25.10.1648 wird der „Westfälische Friede“ und damit das Ende des Dreißigjährigen Krieges von der Treppe des Osnabrücker Rathauses verkündet. Auf dem Reichstag in Nürnberg (1650) werden die Verhältnisse des Bistums Osnabrück durch die „Immerwährende Kapitulation“ (capitulatio perpetua) genauer erörtert. Der „Nürnberger Executionsausschuß“ bestimmt, daß das Bistum abwechselnd von einem gewählten katholischen und einem evangelischen Fürstbischof aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg regiert werden sollte. Die konfessionellen Verhältnisse im Bistum sollten auf den Zustand von 1624 (Normaljahr) zurückgeführt werden. Der Rat bleibt evangelisch und behält die niedere Gerichtsbarkeit sowie die Verwaltung des evangelischen Schul- und Kirchenwesens. Beiden Konfessionen wird freie Religionsausübung zugesichert. Seit 1648 fährt die Thurn- und Taxische Post zwischen Hamburg und Köln über Osnabrück. Die Stadt seufzt unter einer unerträglichen Schuldenlast.
Das Zeitalter des Absolutismus (1650 bis 1802)
1661 wird Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg der erste weltliche Bischof des Fürstbistums, das er bis 1698 regiert. Unter seiner Herrschaft werden von der Stadt weitere zahlreiche „freiwillige Geschenke“, gleichsam als erste einem Landesherren gezahlte Steuern, eingezogen. Osnabrück gerät dadurch in noch größere Verschuldung. 1667 veranlaßt der Bischof den Bau des Osnabrücker Schlosses. In seiner Gesamtausführung ist das Schloß ein verkleinertes Abbild des Palais de Luxembourg in Paris. Als Ernst August I. 1680 seine Residenz nach Hannover verlegt, steht das Schloß während seiner weiteren Regierungszeit fast dauernd leer. Am 14.12.1720 wird Justus Möser in Osnabrück geboren. Der Fürstbischof Ernst August I. gründet eine bischöfliche Münze am Ledenhof. Die von ihm begonnene, aber nicht vollendete Augustenburg vor dem Martinitore wird nach seinem Tode 1728 von den Bürgern aufgekauft und abgebrochen. Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) stellt sich der katholische Bischof Fürst Clemens August von Wittelsbach auf die österreichische Seite, während sich die Stadt mit der preußisch-hannoverschen Partei sympathisiert. Osnabrück hat bald unter braunschweigisch-preußischer, dann unter französischer Besatzung zu leiden. Infolge völliger Vernachlässigung der noch unter dem Hause Hannover vorbildlichen Verteidigungsanlagen ist die Stadt nicht in der Lage, sich auch nur gegen relativ schwache plündernde Streifkorps der Franzosen zur Wehr zu setzen. Zwangsrekrutierungen, Erpressung von Geldsummen und Sachwerten treiben die Stadt fast in den Ruin. Prinz Friedrich von York, Sohn König Georg III. von England, wird 1764 Fürstbischof von Osnabrück. Er regiert bis 1802 und ist der letzte Osnabrücker Fürstbischof. Während seiner Unmündigkeit, bei seiner Einsetzung ist er nur ein halbes Jahr alt, überträgt der König die Regierungsgeschäfte auf zwei Vertreter der Osnabrücker Ritterschaft (v. d. Bussche und v. Lenthe). Ihr juristischer Berater wird als Geheimer Justizrat Justus Möser. Möser beginnt 1765 seine „Osnabrücker Geschichte“, die „erste deutsche Sozial- und Verfassungsgeschichte“ (Hoffmeyer) zu schreiben. Ein Jahr später veranlaßt Möser das Erscheinen der ersten Osnabrücker Zeitung als Wochenblatt, die „Osnabrücker Intelligenzblätter“. Nach dem Siebenjährigen Krieg erlebt Osnabrück 1771 mit nur 5923 Einwohnern einen Bevölkerungstiefstand. Ab 1780 beginnt für Osnabrück das sog. „Goldene Zeitalter“, welches bis ca. 1800 andauert. Ein erheblicher Aufschwung der Leinenindustrie, der Tabakfabrikation, des Handels, der Bautätigkeit (mit Bürgerhäusern im klassizistischen Stiel) und auch des geistigen Lebens setzt ein. 1794 stirbt Justus Möser in Osnabrück. Französische Emigranten bevölkern Osnabrück und bringen der Stadt viele Belastungen. Ein Gesellenaufstand findet 1801 in der Gartlage statt. Eine zunächst harmlose Zusammenrottung von Osnabrücker Handwerksgesellen spitzt sich zu. Durch revolutionäre Parolen verleitet, leisten die Gesellen und einige Bürger dem Rat und hannoverschen Truppen Widerstand, der blutig gebrochen wird (10 Tote bei den Aufständischen). In der Stadt planen empörte Bürger einen Aufstand gegen den Rat. Die Angelegenheit verläuft aber im Sande. Die beteiligten Gesellen und Bürger werden mit harten Strafen belegt.
Die „Franzosenzeit“ und die Zeit der hannoverschen Verwaltung (1802 bis 1848)
Osnabrück wird 1803 von Truppen Napoleons besetzt. Die Häuser werden mit Nummern versehen. Nach der Kriegserklärung Preußens gegen Frankreich am 01. März 1806 wird das Kurfürstentum Hannover durch Preußen annektiert. Preußische Truppen besetzten Osnabrück. Die Stadt leistet dem preußischen König den Huldigungseid. Das Fürstentum Osnabrück wird 1807 mit dem von Napoleon errichteten Königreich Westfalen unter seinem Bruder Jerome vereinigt. Die Stadt Osnabrück wird Hauptstadt des Weserdepartements. Erster Bürgermeister Stüve, er bekleidete das Amt bis 1813, reist mit einer Osnabrücker Bürgerabordnung nach Paris, um von dem nunmehrigen Landesherrn die neue Verfassung für die Stadt entgegenzunehmen. Die Abordnung wird auch Napoleon vorgestellt. Die Verwaltung und Justiz werden reformiert und einheitliche Rechtsvorschriften (code Napoléon) sowie Maße und Gewichte eingeführt. Standesvorrechte, Leibeigenschaft und Zunftzwang werden aufgehoben. Das Departement und die Stadt müssen viele Rekruten für die Kriege Napoleons stellen und der Stadt werden hohe Steuerlasten auferlegt. Mit Beginn des Jahre 1811 wird Osnabrück unmittelbar dem französischen Kaiserreich einverleibt. Auf Befehl der Departementsregierung muß die Stadt bei der Katherinenkirche einen Wochenmarkt, der noch heute besteht, einrichten. Nach vergeblichen und blutig unterdrückten Aufständen gegen die Franzosen, erlebt nach dem Siege der Verbündeten über Napoleon bei Leipzig am 16./ 19. Oktober 1813 mit Norddeutschland auch Osnabrück seine Befreiung von der Fremdherrschaft. Am 03. November 1813 verlassen die letzten Franzosen Osnabrück. Die Stadt wird wieder hannoveranisch. Im Jahr 1816 wird in Osnabrück eine „Königlich Hannoversche Provinzialregierung“ eingesetzt; ihr Präsident ist Herbord Sigmund Ludwig von Bar. Die revolutionären Bewegungen 1848 in Deutschland erschütterten auch das Königreich Hannover. Der König beruft Bürgermeister Stüve, seine schärfsten Gegner, zum Minister des Inneren, damit er das Land vor der Revolution bewahre. Auch in Osnabrück herrschte revolutionäre Stimmung. Das „Tageblatt“, eine demokratische Zeitung wird gegründet. Die Bürger fordern eine freie Volksvertretung unter Zulassung der Öffentlichkeit, die ihnen auch in der Stadtverfassung vom 01.03.1849 gewährt wird, und gründen eine Bürgerwehr. Darüber hinaus verlangen sie von der Stadt die Verwirklichung des Rechtes auf Arbeit und kostenlosen Unterricht sowie freie Unterrichtsmittel in den Schulen. Ein linksstehender „Märzverein“ wird eingerichtet. Regimetreue Kräfte gründen das „Volksblatt“ und organisieren sich im „Vaterländischen Verein“.
Die Zeit der Industrialisierung und preußischen Regierung (1848 bis 1914)
1854 tritt Osnabrück dem 1834 von Preußen gegründeten Zollverein bei. Der Handel des bis dahin zum großen teil vom Zollvereinsgebiet umschlossenen Osnabrück wird dadurch günstig beeinflußt. Auf dem Gertrudenberg wird eine Heil- Und Pflegestation als Landeseinrichtung geschaffen. Mit Abtragung der Wälle von 1812 bis 1817 wird die Niederlegung der Festungsanlagen Osnabrücks gänzlich durchgeführt. Der Bereich der Wälle wird weitgehend in mit Grünanlagen versehene Promenaden umgewandelt. Der Schriftsteller Erich Maria Remarque wird am 22.06.1898 in Osnabrück geboren. Osnabrück wächst immer weiter. Nach einer allgemeinen Volkszählung hat Osnabrück am 01.12.1905 59.580 Einwohner, gegenüber 8564 Einwohnern im Jahre 1800.
Osnabrück im 20. Jahrhundert (1914 bis heute)
Der erste Weltkrieg beginnt und bewirkt auch für Osnabrück eine straffere Lenkung des öffentlichen Lebens durch Staat und Militär. Durch die Eingemeindung des Vororts Schinkel, wodurch 10.000 Einwohner hinzugewonnen werden, steigt die Einwohnerzahl Osnabrücks auf 80.693. Nach dem Thronverzicht Kaiser Wilhelm II. wird in Berlin die Republik ausgerufen. In Osnabrück wird das Ergebnis der Verhandlungen des Arbeiter- und Soldatenrates mit der Stadt in einem Aufruf an „Soldaten, Arbeiter und Bürger“ als Flugblatt und in der Presse mit dem Grundthema der endlich vollzogenen Selbstbefreiung bekanntgegeben.
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